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# Rhein bei Kaub auf dem Tiefststand von 2018, die Industrie fährt schon auf Sicht
- URL: https://www.aktienbeobachter.de/rhein-bei-kaub-auf-dem-rekord-von-2018-schiffe-nur-noch-halbvoll/
- Published: 2026-08-04T10:00:00.000Z
- Updated: 2026-08-18T20:21:33.000Z
- Description: Der Pegel Kaub steht bei rund 25 Zentimetern und erreicht den Tiefststand vom Oktober 2018. In diesem Jahr kam das Niedrigwasser schon im Juli.
- Author: Wall Street Wire
- Tags: News, Märkte

KAUB. Der Rhein ist am Pegel Kaub auf rund 25 Zentimeter gefallen und hat damit den Tiefststand vom Oktober 2018 erreicht. In diesem Jahr kam das Niedrigwasser schon im Juli, Wochen vor dem Ende der klassischen Trockenzeit. Schiffe fahren nur noch halbvoll. Die Industrie entlang der Wasserstraße fährt auf Sicht.

Kaub im UNESCO-geschützten Oberen Mittelrheintal ist die flachste Engstelle der Schifffahrt zwischen Nordseehäfen und süddeutschem Industrierevier. Der Pegel dort bestimmt, wie viel Ladung ein Kahn sicher tragen darf. Er misst nicht die Tiefe der Fahrrinne. Die Anzeige ist ein relativer Wert über einem festgelegten Nullpunkt. Sinkt sie, müssen die Schiffe Leichterung fahren, Restmengen auf weitere Einheiten verteilen oder auf Straße und Schiene ausweichen. Das verteuert und verlangsamt die Lieferkette, wie CGTN am Dienstag aus Kaub [berichtete](https://newseu.cgtn.com/news/2026-08-04/Low-water-levels-on-the-mid-Rhine-spark-concerns-for-shipping-1Pi4g2PcQIU/p.html?ref=aktienbeobachter.de).

Rund 200 Millionen Tonnen Güter passieren jährlich die deutsch-niederländische Grenze auf dem Rhein. Chemie, Kraftstoffe, Stahl, Baustoffe und Fertigteile hängen an dieser Route. Kraftwerke beziehen Kohle und Öl über den Strom. Wer diese Abhängigkeiten kennt, braucht keine späteren Lieferwarnungen einzelner Konzerne, um die Lage zu lesen. Wenn Kaub kneift, knappt es an den Kais von Ludwigshafen bis Duisburg. Chemiebetriebe, Stahlwerke und Kraftwerke leben vom Takt der Kähne. Sie können Puffer aufbauen, Fahrpläne strecken und Chargen verkleinern. Ersetzen können sie den Fluss nicht.

Die Frachtraten auf Teilen des Rheins haben sich seit Ende Juni mehr als verdoppelt. Einzelne Reedereien erheben Niedrigwasserzuschläge von bis zu 1.000 Euro je Container, sagte Fabian Göttlich von der Industrie- und Handelskammer Koblenz dem Sender. Der Rhein sei eine Lebensader der gesamten Wirtschaft. Stocke der Verkehr, spüre das jeder. Die Ausweichwege seien selbst unter Druck. Lkw-Fahrer fehlten. Die rechte Rheinstrecke der Bahn werde umfassend saniert und bleibe bis Mitte Dezember vollständig gesperrt. Was auf dem Wasser nicht mehr Platz hat, findet auf der Straße keinen Fahrer und auf der Schiene kein Gleis.

In Kaub selbst trifft das Niedrigwasser zuerst den Tourismus. Bürgermeister Bernd Vogt, der sein Leben in dem Ort verbracht hat, sagte, er habe den Fluss noch nie so niedrig gesehen. Die Stadt lebe von den Flusskreuzfahrten. Derzeit könnten die Schiffe nicht verkehren. Tagesgäste der Köln-Düsseldorfer und der Bingen-Rüdesheimer blieben aus. Das treffe Gastgewerbe und Ort. Mehrere Ausflugsschiffe zu Loreley und Nachbarstädten haben Fahrpläne geändert, Passagierzahlen gesenkt oder den Dienst ausgesetzt. Die freigelegten Ufer sind für Besucher ein Bild, für Wirte ein leeres Zimmer.

Florian Krekel von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung Rhein nannte den Oberen Mittelrhein den kritischen Engpass für den Güterfluss zwischen Nordsee, Südwestdeutschland und der Schweiz. Der Schiffsverkehr sei wegen der niedrigen Wasserstände deutlich zurückgegangen. Der Warenstrom müsse sich anpassen, im schlimmsten Fall die Produktion. Behörden beobachteten die Lage eng. Langfristig sei geplant, Teile dieser Strecke um rund 20 Zentimeter zu vertiefen. Fertig werde das Vorhaben voraussichtlich erst 2033\. Sieben Jahre liegen zwischen dem heutigen Pegel und der tieferen Rinne.

Der Vergleich mit 2018 macht die Kalenderlage scharf. Damals fiel Kaub nach Monaten der Dürre erst Ende Oktober auf 25 Zentimeter. 2026 steht dieselbe Marke im Hochsommer. Die Trockenzeit ist nicht vorbei. Schifffahrt und Volkswirte fürchten genau das: ein früheres Niedrigwasser, das sich bei ausbleibendem Regen über mehr Wochen zieht, die Transportkosten treibt und die exportstarke Industrie zusätzlich belastet. Elbe und Donau führen ebenfalls wenig Wasser. Die Hitze liegt auf den Binnenwasserstraßen, auf denen Handel, Energie und Landwirtschaft in Europa ruhen.

Für die Disposition der Werke zählt nicht die Fotografie des Flussbetts, sondern die beladbare Tonne. Ein Pegel von 25 Zentimetern heißt nicht, dass der Rhein bei Kaub knöcheltief ist. Er heißt, dass die Reserve über dem Nullpunkt aufgezehrt ist. Die Fahrrinne bleibt tiefer als die Anzeige, aber flacher als im normalen Sommer. Wer den Fluss als Lager und Fließband genutzt hat, muss in kleineren Chargen denken und mehr Schiffe für dieselbe Menge ordern. Jedes zusätzliche Schiff sucht Diesel, Personal und Liegeplatz.

CGTN nannte den Mittelrhein eine der meistbefahrenen Binnenwasserstraßen Europas und den Pegel Kaub einen der am engsten beobachteten Punkte. In der Hauptsaison der Schifffahrt droht eine längere Störung, wenn der Sommer weiter trocken bleibt. Die restliche Ladung muss auf zusätzliche Kähne, Lastwagen oder Güterzüge. Jeder dieser Schritte kostet Zeit und Geld. Göttlich bezifferte die Zuschläge mit bis zu 1.150 Dollar je Container, umgerechnet die genannten 1.000 Euro. Krekel sagte, im schlimmsten Fall passe sich nicht nur der Warenstrom an, sondern die Fertigung.

Eine Zahl aus späteren Augusttagen gehört nicht in diesen Dienstag. Der Pegel kann weiter fallen. Er kann nach Regen steigen. Was heute feststeht, ist die 25-Zentimeter-Marke, der Gleichstand mit dem Oktober 2018 und die Tatsache, dass diese Marke in diesem Jahr im Juli erreicht wurde. Bürgermeister Vogt spricht von ausgefallenen Kreuzfahrten. Die IHK Koblenz spricht von verdoppelten Frachtraten und einer gesperrten rechten Rheinschiene bis Mitte Dezember. Die Wasserstraßenverwaltung spricht von einem Engpass, den eine Vertiefung um 20 Zentimeter erst 2033 lockern soll.

Die Kleinstadt am Tal wird zur Messlatte der Konjunktur. Journalisten stehen am Pegelturm, Schiffer rechnen Ladung gegen Tiefgang, Spediteure suchen einen Slot auf einer gesperrten rechten Rheinschiene. Eine schnelle Entlastung ist nicht in Sicht. Die Vertiefung kommt in sieben Jahren. Der Regen kommt, wenn er kommt. Bis dahin gilt der Stand vom Dienstag: rund 25 Zentimeter in Kaub, Rekordmarke von 2018, diesmal im Juli erreicht, Schiffe nur noch halbvoll, Industrie auf Sicht.