DAX rutscht auf 26.152 Punkte, ZEW-Erwartungen steigen überraschend
Frankfurt schließt rund 0,8 Prozent leichter, tiefster Stand seit dem 5. August. Infineon verliert am stärksten. Das ZEW-Barometer klettert auf 34,2.
Der DAX hat am Dienstag rund 0,8 Prozent leichter bei 26.152 Punkten geschlossen. Das ist der tiefste Stand seit dem 5. August und der zweite Verlusttag in Folge. Frankfurt gab nach, während das ZEW-Barometer der Konjunkturerwartungen überraschend stieg.
Infineon verlor am stärksten und gab um mehr als 7 Prozent nach. Siemens Energy fiel um 4,4 Prozent, Hochtief um 1,1 Prozent. Auf der Gewinnerseite lagen SAP mit plus 1,9 Prozent, Bayer und Deutsche Telekom mit jeweils plus 1,7 Prozent. Weitere Verlierer waren Heidelberg Materials, Siemens, Airbus, MTU Aero Engines und Continental mit Abgaben zwischen 1,9 und 3,5 Prozent.
Die Risikobereitschaft blieb schwach. Die ausgelaufene US-Iran-Vereinbarung nährte die Sorge vor einer neuen Eskalation. Ölpreise und Anleiherenditen stiegen, die Inflationssorge auch. Washington hatte eine Verlängerung abgelehnt, Iran eine härtere Antwort angekündigt, falls Verhandlungen nicht vorankommen. Zinsempfindliche Technologie-, Industrie- und Banktitel standen unter Abgabedruck. Bei zuletzt starken KI- und Chipwerten wurde Kasse gemacht.
Am Montag hatte der DAX 0,38 Prozent leichter bei 26.338,61 Punkten geschlossen, noch nahe dem Rekord. Den Höchststand von knapp 26.574 Punkten hatte der Leitindex am vergangenen Mittwoch markiert. Vom Zwischentief Mitte Juli hatte er bis Montag fast 7 Prozent aufgeholt, das Jahresplus lag bei 7,6 Prozent. Diese Distanz zum Rekord hat sich am Dienstag vergrößert.
Trotz des Kursrutsches hellte sich das Stimmungsbild unter Finanzmarktexperten auf. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) meldete am Dienstag einen Anstieg des Indikators der Konjunkturerwartungen auf plus 34,2 Punkte, nach 26,3 Punkten im Vormonat. Das Plus von 7,9 Punkten fiel stärker aus als erwartet.
Von Reuters befragte Analysten hatten einen Anstieg auf 30,0 Punkte erwartet. Die Lagebeurteilung für Deutschland verbesserte sich auf minus 61,1 Punkte, nach minus 77,6 im Juli, ein Sprung um 16,5 Punkte. Auch das lag über den Erwartungen. Grundlage waren Antworten von 185 Analysten und institutionellen Investoren zwischen dem 10. und 17. August.
ZEW-Präsident Achim Wambach sagte, der positive Trend bei den Erwartungen verdichte sich im August. Wahrscheinlich spielten gute Quartalszahlen und das jüngst hohe Exportniveau eine Rolle. Die deutsche Wirtschaft profitiere weiter von den Infrastrukturprogrammen des Bundes. Rekordniedrige Wasserstände am Rhein seien jedoch ein zusätzliches, akutes Risiko für die Aktivität.
Alle Branchen meldeten hellere Erwartungen. Besonders die Fahrzeugindustrie verbesserte sich um 22,2 Punkte, blieb aber per saldo negativ. Chemie und Pharma sowie Maschinenbau und Metall verzeichneten ebenfalls kräftige Zuwächse. Die Erwartungen zum privaten Verbrauch stiegen um 9,0 Punkte auf minus 6,2 Punkte. Das Baugewerbe legte um 1,4 Punkte auf plus 2,1 Punkte zu.
Für den Euroraum stieg der Erwartungsindikator auf 31,4 Punkte, 8,0 Punkte über Juli. Die Lagebeurteilung verbesserte sich um 16,2 Punkte, bleibt mit minus 21,5 Punkten aber negativ. Ulrich Wortberg von Helaba Research sprach von einer fortgesetzten Erholung der Stimmung. Die Zahlen stützten eher Erwartungen einer Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank.
Höhere Öl- und Gaspreise durch den Iran-Krieg haben die Erholung der größten Volkswirtschaft Europas gebremst. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte im April die Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 gesenkt. Vergangene Woche sprach es von positiver Dynamik: Ausländische Käufer hätten bei energieintensiven Herstellern in Deutschland bestellt, die gegenüber asiatischen Rivalen einen Kostenvorteil hätten, weil diese vom Nahostkrieg noch stärker getroffen seien.
Chemiebetriebe, Versorger, Stahlhersteller und Agrarhändler haben wegen der Rheinniedrigwasser vor höheren Kosten und gedrosselter Produktion gewarnt. Der ZEW-Indikator bildet diese Risiken ab, bleibt aber per saldo aufwärts gerichtet. Der Aktienmarkt folgte dem Stimmungsplus am Dienstag nicht. Frankfurt schloss bei 26.152 Punkten, Infineon als schwächster DAX-Wert, SAP als einer der wenigen Gewinner.
Der Handel endete um 17:30 Uhr. Der Abstand zum Mittwochsrekord von knapp 26.574 Punkten beträgt rund 420 Punkte. Ob die besseren ZEW-Erwartungen die Kurse stützen, entscheidet sich in den nächsten Sitzungen. Für den Dienstag gilt der Schlusskurs: 26.152 Punkte, rund 0,8 Prozent unter Montag, tiefster Stand seit dem 5. August.