BMW streicht 8.000 Stellen, VW rechnet intern mit weiteren 50.000. Die Autokrise kommt in der Verwaltung an

BMW einigt sich auf ein freiwilliges Programm für rund 8.000 Stellen weltweit. Volkswagen-Chef Blume nennt intern einen theoretischen Abzug weiterer 50.000.

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BMW streicht 8.000 Stellen, VW rechnet intern mit weiteren 50.000. Die Autokrise kommt in der Verwaltung an

MÜNCHEN. Die deutsche Autokrise hat die Verwaltung erreicht. BMW hat sich mit dem Betriebsrat auf ein freiwilliges Abbauprogramm verständigt, das weltweit rund 8.000 Stellen erfassen soll. Volkswagen-Chef Oliver Blume rechnet intern mit einem weiteren theoretischen Abzug von 50.000 Beschäftigten, zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000. Beide Konzerne nennen dasselbe Motiv: Kostenlücke, China, Zölle. Beide halten die Produktionsschnitte vorerst offen und schneiden zuerst in den Büros.

Am Mittwoch haben Vorstandschef Milan Nedeljković und Gesamtbetriebsratschef Martin Kimmich den Münchner Beschäftigten das BMW-Paket vorgestellt. Ein Konzernsprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man habe sich auf ein freiwilliges Programm für Verwaltung und Entwicklung verständigt. Die Produktion bleibe ausgenommen, betriebsbedingte Kündigungen solle es nicht geben. Eine mit den Plänen vertraute Person nannte gegenüber der Agentur die globale Zielgröße von rund 8.000 Beschäftigten. Ende 2025 zählte der Konzern 154.540 Mitarbeiter, wie BMW selbst angibt. Das berichtete Euronews unter Berufung auf AFP, Reuters und den Münchner Merkur.

Das Handelsblatt, ebenfalls aus Unternehmenskreisen, datiert den Start auf Oktober 2026 und das Ende auf das Jahr 2027. Ab 2028 erwartet BMW demnach eine Ersparnis von rund einer Milliarde Euro im Jahr. Die Süddeutsche Zeitung schrieb, rund 40.000 der etwa 84.000 Beschäftigten in Deutschland sollten ein Angebot erhalten, knapp die Hälfte der Belegschaft hierzulande. Das Programm richte sich an alle deutschen Standorte außerhalb der direkten Fertigung. Für dieses Jahr plane der Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag für Abfindungen ein. Was 2027 hinzukomme, sei offen. Euronews sprach von Kosten in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro, deren genaue Höhe von der Annahmequote abhänge.

Besonders betroffen wären Verwaltung und Entwicklung in München, Regensburg, Dingolfing und Leipzig. Das Forschungs- und Innovationszentrum in München beschäftigt nach Angaben des Münchner Merkur rund 25.000 Ingenieure, Entwickler, Designer und Kaufleute. Dort liegt der Hebel. Die Werkshallen bleiben außen vor. Nedeljković sagte den Teilnehmern der Betriebsversammlung dem Vernehmen nach, die nächste Zeit werde allen viel abverlangen. BMW müsse wieder profitabler und wettbewerbsfähiger werden. Weder der Protektionismus noch die Marktveränderungen würden verschwinden. Deshalb müssten Strukturen und Prozesse rasch verschlankt und die Kostenposition verbessert werden.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Im Juni hatte BMW die Gewinnprognose für 2026 gesenkt und auf China sowie den Nahostkonflikt verwiesen. Zugleich kündigte der Konzern an, Struktur- und Effizienzmaßnahmen zu beschleunigen. Sechs Wochen später liegt die Einigung mit dem Betriebsrat. Der neue Vorstandschef, der im Mai von Oliver Zipse übernahm, wählt den stillen Weg: Freiwilligkeit, keine betriebsbedingten Kündigungen, Vorstellung vor den Werksferien. Mercedes hat ein freiwilliges Programm bereits hinter sich. Porsche, Teil des Volkswagen-Konzerns, kündigte in der vergangenen Woche weitere 5.000 Stellen bis 2035 an, zusätzlich zu 3.900 im Februar 2025 vereinbarten und 500 mit Tochterschließungen verbundenen Abbauten.

In Wolfsburg ist der Ton schärfer. Am 13. Juli hat Blume den Beschäftigten in einem internen Memo geschrieben, das Reuters und CNBC vorliegt. Nach den bereits vereinbarten 50.000 Stellen im Konzern, einschließlich Porsche und Audi, bleibe eine Kostenlücke von 20 Prozent gegenüber vergleichbaren Wettbewerbern. Das bedeute einen „theoretischen Abzug“ weiterer 50.000 Jobs weltweit. Der Vorstand prüfe über Marken, Gesellschaften und Regionen, wie viele Anpassungen tatsächlich nötig und machbar seien. Einen beschlossenen Schnitt von 100.000 Stellen gibt es nicht.

Vier Werke nannte Blume namentlich, ohne sie zu schließen. Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm könne der Konzern „wettbewerbsfähige Nutzungskonzepte für die 2030er Jahre“ heute nicht bestätigen. Er bevorzuge „intelligente Lösungen“ statt Stilllegungen und hat zuvor auf die Rüstungsindustrie oder die Fertigung chinesischer Volkswagen-Modelle in Europa verwiesen. Mit den Plänen vertraute Personen sagten, die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat habe Vorschläge blockiert, die Stellenabbau und mögliche Werksschließungen umfassten. Als entschieden dürfen die vier Standorte deshalb nicht gelten.

Was der Konzern öffentlich festzurrte, betrifft Modelle und Kapazität. Nach der Aufsichtsratssitzung kündigte Volkswagen an, die Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent zu verkleinern und Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent zu streichen. Die weltweite Produktionskapazität solle von 12 auf 9 Millionen Fahrzeuge sinken, teilte Blume mit. Heise Autos und andere Medien zitierten diese Zahlen aus der Konzernkommunikation. Angaben zu weiterem Stellenabbau und Werksschließungen machte Volkswagen in der öffentlichen Erklärung nicht.

Die Summe der Sommerwochen lautet also nicht auf eine beschlossene Halbierung der deutschen Autobeschäftigung. Sie lautet auf Verwaltung. BMW bietet rund 40.000 indirekten Kräften in Deutschland den Ausgang an und zielt auf 8.000 Stellen weltweit, Produktion ausgenommen. Volkswagen hat 50.000 Abbauten schon vereinbart und rechnet intern mit einem theoretischen zweiten Block derselben Größe, solange die Kostenlücke von 20 Prozent steht. Die Werke bleiben Verhandlungsmasse, nicht Beschlusslage. Die Büros sind es schon.

Die Kostenseite erklärt, warum beide Konzerne zuerst die Verwaltung anfassen. Abfindungen sind teuer, aber kalkulierbar. Werksschließungen sind politisch und tariflich blockiert. BMW zahlt in diesem Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag und hofft ab 2028 auf eine Milliarde Euro weniger Fixkosten. Volkswagen beziffert die Lücke auf 20 Prozent und rechnet sie in einen theoretischen zweiten Block von 50.000 Stellen um. Ob daraus ein zweites Abbaupaket wird, ist offen. Die Modellpalette zu halbieren und die Kapazität von 12 auf 9 Millionen zu senken, hat der Konzern dagegen öffentlich gemacht.

Ob die Freiwilligkeit bei BMW die Zielzahl trägt, entscheidet die Annahmequote ab Oktober. Ob Blumes theoretischer Abzug zu einem zweiten Tarifpaket wird, entscheidet der Aufsichtsrat nach der Sommerpause. Bis dahin gilt das, was die Quellen tragen: 8.000 bei BMW bis Ende 2027, freiwillig, ohne betriebsbedingte Kündigungen. Bei Volkswagen weitere 50.000 als Rechengröße, nicht als Beschluss. Die Autokrise ist in der Verwaltung angekommen. In den Hallen steht sie vor der Tür.